Fragen an die Residents: Jessica Bateman
In jeder Ausgabe unseres Newsletters stellen wir eine Person oder Organisation vor, die im Publix-Haus arbeitet. Diesmal: die freie Investigativjournalistin Jessica Bateman, Trägerin des European Press Prize 2025.
Worin besteht der Kern Deiner Arbeit?
Ich arbeite an Longform-Journalismus-Projekten für Medien wie BBC, Guardian, Washington Post und Politico, mit einem besonderen Fokus auf Geschlecht, Glaube und Extremismus. Außerdem übernehme ich Lektorats-, Recherche- und Lehrprojekte.
Wofür engagierst Du Dich?
Ich liebe Longform-Storytelling, weil man sowohl Mikro- als auch Makro-Narrative erkunden kann. Ich mag Geschichten, die zutiefst persönlich sind, aber auch von weiterer globaler Bedeutung. Der Kern meines Schreibens kreist immer um fesselnde Charaktere und ich versuche, die Leser:innen tief in ihre Welten zu führen, damit sie erleben, was diese denken und fühlen – dabei entlehne ich viele Techniken aus dem Drehbuchschreiben. Das kombiniere ich dann mit fundierter Recherche über die weiteren historischen und gesellschaftlichen Kontexte des jeweiligen Themas, über das ich schreibe.
Was war Dein größter Erfolg der vergangenen Monate?
Ich habe im Mai den European Press Prize Distinguished Reporting Award gewonnen, was ein unglaublicher Auftrieb war. Außerdem habe ich einen 6000-Wörter-Text über die deutsche Wiederaufrüstung für das Politico Magazine veröffentlicht.
Was bereitet Dir Kopfschmerzen?
Geld zu verdienen und prestigeträchtige Arbeit zu machen sind als freie Journalistin manchmal zwei verschiedene Dinge. Man braucht zwei Standbeine im freien Journalismus, wenn man bedeutungsvolle Arbeit machen will, ohne sich in die Armut zu treiben. Die beiden auszubalancieren ist eine ständige Anstrengung.
Welches publizistische Projekt hat Dich zuletzt am meisten beeindruckt?
Ich habe Elizabeth Flocks jüngsten New-Yorker-Text über die an der polnisch-belarussischen Grenze festsitzenden Migrant:innen geliebt. Sie hat das Thema so wunderschön vermenschlicht.
Wer oder was verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit?
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll – es gibt so viele Menschen überall auf der Welt mit Geschichten, die erzählt werden müssen. Schrumpfende Budgets und Publikationen, die alle um ein immer kleiner werdendes Publikum kämpfen, bedeuten, dass sich viele Medienberichte sehr gleichförmig anfühlen können, und das beunruhigt mich.
Was ist die beste Lektüre zur aktuellen Lage?
Doppelgänger von Naomi Klein, Moneyland von Oliver Bullough und Enshittification von Cory Doctorow.
Was sollte man jetzt anhören oder ansehen?
Ich habe diesen Winter Twin Peaks und Fire Walk With Me komplett neu geschaut. Es ist ein Meisterwerk, das mit jedem Schauen besser wird – die Handlungsstränge, die Charaktere, die Ästhetik und die Fragen, die es über die menschliche Natur und Gut gegen Böse aufwirft.
Fotocredit: privat