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Haus für Journalismus und Öffentlichkeit

Fragen an die Residents: Klexikon.de

In jeder Ausgabe unseres Newsletters stellen wir eine Organisation vor, die im Publix-Haus arbeitet. Michael Schulte ist Journalist und Gründer von Klexikon.de, der „Wikipedia für Kinder“.  

Worin besteht der Kern Deiner Arbeit? 
Klexikon ist das größte kostenlose Online-Kinderlexikon im deutschsprachigen Raum – verständlich, werbefrei und gemeinnützig verankert. Wir machen Wissen so, dass Kinder es wirklich benutzen können: verständlich schreiben, sauber erklären, redaktionell prüfen, aktuell halten – und Rückmeldungen einarbeiten. Kinder sind dabei gnadenlose Lektor:innen: Wenn etwas unklar ist, sagen sie es sofort.  

Was ist das Ziel Deines Engagements? 
Kinder sollen Antworten finden, die sie weiterbringen – und zwar so, dass sie Lust bekommen, immer weiter zu fragen. Ein wichtiger Teil davon sind unsere mehrwöchigen Workshops: Inzwischen haben wir in über 100 Schulklassen mit Kindern gearbeitet, wie man recherchiert, schreibt und wie freies Wissen im Klexikon entsteht. 

Worauf liegt im Moment Dein Fokus? 
Darauf, dass Klexikon verlässlich bleibt – nicht nur als Projekt, sondern als Redaktion. Dafür brauchen wir Partner, Stiftungen, Spender und Förderer, die kontinuierliche redaktionelle Arbeit möglich machen. Denn „kostenlos für alle“ heißt leider nicht „kostenlos in der Herstellung“. 

Was war Dein größter Erfolg der vergangenen Monate? 
Dass das Klexikon 2025 trotz KI sehr stark genutzt wurde – und dass Kinder über das Kontaktformular mehrere tausend Nachrichten geschickt haben. Das ist für uns Gold wert. Und außerdem: Es ist schon ein besonderer Moment, wenn der Bundespräsident das Klexikon in einem Schreiben zum zehnjährigen Jubiläum als „qualitativ wertvoll“ und „unverzichtbar“ bezeichnet. Ein Lieblingserfolg bleibt aber, wenn ein Kind schreibt: „Jetzt hab ich’s verstanden.“ 

Was bereitet Dir Kopfschmerzen? 
Dass ein Lexikon nie fertig ist – gerade bei Themengebieten wie Politik, Erdkunde oder bekannten Personen. Da muss man ständig nachziehen, vereinfachen, prüfen, aktualisieren. Gleichzeitig werden „schnelle Antworten“ überall leichter verfügbar – und das macht es umso wichtiger, dass Kinder weiterhin Orte finden, denen sie vertrauen können. 

Was ist Dein Beitrag zu einer pluralen Medienlandschaft? 
Wir zeigen mit dem Klexikon seit Ende 2014, wie freies Wissen auch für Kinder zuverlässig funktionieren kann. So etwas wird auch gebraucht: 2025 hatte Klexikon 15 Mio. Seitenaufrufe und 7 Mio. Besuche. Dass die Wikipedia bis heute kein offizielles Kinderangebot hat, macht diese Lücke sichtbar – und gleichzeitig: Sie lässt sich schließen, wenn wir es ernsthaft angehen. 

Welches publizistische Projekt hat Dich zuletzt am meisten beeindruckt? 
Journalismus macht Schule“, weil es ganz praktisch zeigt, wie Nachrichtenkompetenz entsteht: Journalist:innen gehen in Schulen, erklären ihre Arbeit, diskutieren über Desinformation, Quellen und aktuelle Themen. Wir sitzen im Publix neben dem Projektteam und profitieren voneinander: Auch wir erleben, wie wichtig und wertvoll Schulen als Partnerinnen sind. 

Was sollte man jetzt anhören oder ansehen? 
Unser Interview mit dem Wikipedia-Erfinder Jimmy-Wales: Es ist ein Gespräch übers Klexikon und darüber, warum eine „Wikipedia für Kinder“ gar nicht so trivial ist. Wales erzählt auch, dass die Idee schon früh diskutiert wurde und welche Verantwortung damit einhergeht. 

 Photocredit: privat

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