Fragen an die Residents: Neue deutsche Medienmacher*innen
In jeder Ausgabe sprechen wir mit Publix Residents über ihre Arbeit und aktuelle medienpolitische Themen. Diesmal: Rebecca Roth, Leitung Projektentwicklung und Netzwerk, von den Neuen deutschen Medienmacher*innen.
Was macht Eure Organisation?
Wir sind ein Netzwerk von Medienschaffenden mit und ohne Einwanderungsgeschichte. Wir wollen, dass Journalismus unsere Gesellschaft in ihrer ganzen Vielfalt präzise, fair und ausgewogen abbildet. Nur so entsteht Vertrauen in die Medien.
Was war Euer größter Erfolg in den vergangenen Monaten?
Wir sind stolz auf die 37 jungen Journalist*innen mit Einwanderungsgeschichte, die wir in den letzten Monaten gefördert haben. Zum Beispiel durch unser Mentoringprogramm in NRW, das Projekt Voices of Faith, mit dem wir 15 junge Journalist*innen einen Einstieg in den Fernsehjournalismus ermöglicht haben, und das Investigativjournalismus-Fellowship in Kooperation mit Netzwerk Recherche. Insgesamt haben wir in den letzten Jahren mehr als 450 Medienschaffende begleitet und gefördert.
Woran arbeitet Ihr gerade?
Mit unserem Projekt BetterPost stärken wir Medienschaffende in der Social-Media-Redaktion und im Community-Management. Sie übernehmen täglich Verantwortung für das, was in den Kommentarspalten gepostet wird. Das kann belastend sein. Weil es einen großen Austauschbedarf gibt, haben wir im Netzwerk toneshiftdie Fachgruppe Community-Management gegründet.
Was ist das Ziel?
Wir wünschen uns einen öffentlichen Debattenraum, wo man gut miteinander umgeht. Wo verletzliche Stimmen geschützt werden und Hassrede begrenzt wird. Da braucht es klare Leitlinien für die Moderation. Außerdem benötigen Community-Redakteur:innen Schutz und Rückhalt von ihrem Medienhaus oder ihrem Unternehmen. Im Netzwerk toneshift haben wir deshalb einen Community-Kodex erarbeitet. Und wir hoffen, dass ihn viele Medienhäuser, Organisationen oder Einzelperson unterzeichnen.
Was kommt als nächstes?
Am 25.09.2026 bieten wir ein Meet-Up für Journalist*innen, die sich darüber austauschen wollen, wie es nach den Landtagswahlen mit der politischen Berichterstattung weitergeht. Dabei wird es auch darum gehen, wie sich Journalist*innen vor Diffamierungskampagnen und Desinformation von rechts schützen können.
Wo kann man Eure Arbeit verfolgen – und wie kann man Euch unterstützen?
Was unsere Arbeit bewirkt, kann man auf unseren Social-Media-Kanälen beobachten. Wir freuen uns, wenn Ihr uns folgt oder unseren Newsletter abonniert. Natürlich freuen wir uns auch über eine Spende!
Was bereitet Euch gerade Kopfschmerzen?
Der große Einfluss von rechten und rechtsextremen Medien und Plattformen, die von Milliardären finanziert werden, während zahlreiche gemeinnützige Projekte und Organisationen, die sich gegen antidemokratische Entwicklungen einsetzen, in einer prekären finanziellen Lage sind.
Wer oder was verdient mehr Aufmerksamkeit?
Die Leistung vieler migrantischer Selbstorganisationen. Ihr gesellschaftlicher Beitrag, ihr erhebliches ehrenamtliches Engagement, ihre Themen und Anliegen finden in der Berichterstattung kaum statt. Das sollte sich ändern.