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Haus für Journalismus und Öffentlichkeit

Fragen an die Residents: codetekt

In jeder Ausgabe sprechen wir mit einer Publix-Resident-Organisation über ihre Arbeit und was gerade los ist. Diesmal: Daniel Weimert, Co-Geschäftsführer von codetekt.

Was macht Eure Organisation?

Wir kämpfen gegen Desinformation und stärken Nachrichtenkompetenz in Deutschland, und machen das auf zwei Wegen: Wir sind aktiv in der politischen Bildung, geben Workshops für Jugendliche an Schulen, für Erwachsene in Unternehmen, für Multiplikator:innen, die das Wissen weitergeben. Und wir sind die erste Community gegen Desinformation deutschlandweit, in der sich Menschen engagieren und beteiligen können.

Was unterscheidet Euch von anderen in diesem Feld?

Unser “Trust Checking”-Ansatz. Es geht nicht um die Wahrheitssuche, der Begriff ist in Debatten oft aufgeladen und zeichnet ein schwarz-weißes Bild. Wer keine Fachexpertise hat, kann kaum beurteilen, ob etwas wahr oder falsch ist. Wir setzen auf den Begriff “Trust”, also Vertrauen: Menschen sollen im Moment, wo sie mit einer Information konfrontiert werden, deren Vertrauenswürdigkeit selbst einschätzen können, anhand bewährter Qualitätskriterien. Unabhängig von Fact-Checking-Organisationen, deren Urteil oft zu spät kommt und die betroffene Person längst nicht mehr erreicht.

Woran arbeitet Ihr gerade?

Wir bauen unsere Trust-Checking-Plattform aus. Dort kommen unsere Freiwilligen zusammen, um im Kollektiv Informationen zu prüfen, ein bisschen im “Crowdsourcing Wikipedia Style”. Im Sommer vor den Landtagswahlen ist das besonders relevant, weil Falschinformationen jetzt stark verbreitet sind. Dafür haben wir eine Kampagne: „Flood the Zone with Trust". Gemeinsam mit Freiwilligen prüfen wir verstärkt Nachrichten und klären über Manipulationstechniken auf.

Was war euer größter Erfolg in den vergangenen Monaten?    

Wir haben eine Förderung für das Forschungsprojekt “ClaimGuard” bekommen, bei dem wir gemeinsam mit Universitäten erforschen, wie Menschen kollaborativ mithilfe von KI Informationen auf ihre Vertrauenswürdigkeit bewerten und diese Einschätzungen teilen können. Das nennt sich “Human-AI-Collaboration". Wir sind stolz auf diese Förderung und gespannt, was dabei bis 2029 rauskommt.

Was bereitet Euch gerade Kopfschmerzen?

Dass der Begriff “Desinformation” wie schon in den USA zunehmend als linker Kampfbegriff geframet wird, mit dem NGOs vermeintlich „konservative Stimmen abwerten und zensieren wollen“. Tatsächlich geht es uns aber natürlich nicht um Zensur, sondern darum, Menschen zu einer demokratisch-kritischen Haltung gegenüber Informationen zu befähigen und Manipulationstechniken besser entlarven zu können.

Wie kann man Euch und Eure Arbeit unterstützen?

Auf ganz unterschiedliche Art und Weise! Werdet Teil unserer Community. Ob als “co:detective” auf unserer “Trust Checking Plattform”, als “Argumente-Scout”, der Argumente zu Themen sammelt, die andere dann nutzen können, oder als “Teamende”, die an Schulen mit Jugendlichen sprechen. Wir freuen uns über jedes Ehrenamt. Aber natürlich: Wir sind eine gemeinnützige Organisation und freuen uns immer über Spenden. Wer möchte, kann auch unseren Merch kaufen: T-Shirts, Pullover, Tassen mit Haltung.

Was sollte man gerade unbedingt lesen? 

„Trust – die sieben Regeln des Vertrauens" von Jimmy Wales, dem Mitgründer von Wikipedia. Wie bauen wir wieder Vertrauen auf? Wie überwinden wir Polarisierung? Das sind auch unsere Fragen.

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