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Haus für Journalismus und Öffentlichkeit

Fragen an die Residents: The Conversation

In jeder Ausgabe unseres Newsletters stellen wir eine Organisation vor, die im Publix-Haus arbeitet. 
Diesmal: Robin Markwica, Geschäftsführer des Online-Magazins „The Conversation“, das 2026 in Deutschland, Österreich und der Schweiz startet.

Worin besteht der Kern Eurer Arbeit?

Umfragen zeigen, dass sich die große Mehrheit der Bevölkerung wünscht, dass die Wissenschaft ihr Wissen stärker mit der Öffentlichkeit teilt. Deshalb bauen wir Ableger des internationalen Online-Magazins The Conversation (TC) in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf.

Bei TC analysieren Forschende aller Fachrichtungen (tages-)aktuelle Ereignisse und berichten über relevante neue Forschungsergebnisse. Eine unabhängige journalistische Redaktion wählt die Beiträge aus, prüft sie und unterstützt die Wissenschaftler:innen dabei, ihre Inhalte möglichst allgemeinverständlich zu vermitteln. Unsere Themen reichen von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft über Gesundheit, Ernährung, Technologie, Klima und Umwelt bis Bildung, Kunst und Literatur.

TC ist dauerhaft gemeinnützig und überparteilich. Seit der Gründung in Australien im Jahr 2011 haben wir Redaktionen in 12 weiteren Ländern eröffnet – in Brasilien, Frankreich, Ghana, Großbritannien, Indonesien, Kanada, Kenia, Neuseeland, Nigeria, Spanien, Südafrika und den USA. Bisher haben weltweit fast 100.000 Forschende bei uns veröffentlicht. 

Unsere Inhalte sind kostenfrei zugänglich sind, also können uns auch Menschen lesen, die sich ein Zeitungsabo nicht (mehr) leisten können. So erreichen wir jeden Monat weltweit durchschnittlich 40 Millionen Personen. Bis Herbst 2026 wollen wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz live gehen. 

Was ist das Ziel Eures Engagements?

Erhebungen belegen seit Jahren, dass die Menschen hierzulande der Wissenschaft deutlich mehr vertrauen als Medien oder gar der Politik. Darin liegt eine große Chance für TC. Mit Hilfe der mitwirkenden Forschenden in Deutschland, Österreich, der Schweiz und dem Rest der Welt werden wir verlässliche Informationen auf der Grundlage des aktuellen Forschungsstands bereitstellen. Wir wollen faktenbasierte Antworten auf die drängenden politischen, sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und ethischen Fragen der Zeit finden. 

Außerdem hoffen wir, dass wir mit der auf TC veröffentlichten wissenschaftlichen Expertise in der Gesellschaft Innovationen befördern können. Deshalb werden wir auch die relevantesten Beiträge aus unserem internationalen Netzwerk ins Deutsche übersetzen.

Worauf liegt im Moment Dein Fokus?

Der Aufbau eines neuen TC-Zweiges folgt immer demselben Prinzip: Eine Allianz von Stiftungen stellt eine Anschubförderung zur Verfügung. In den USA z.B. haben uns u.a. die Ford Foundation, die Knight Foundation und die MacArthur Foundation unterstützt. Anschließend übernehmen Hochschulen und Forschungsinstitute kollektiv die Finanzierung. 

Als Geschäftsführer bin ich damit beschäftigt, eine Förderallianz von 10-12 Stiftungen und eine Gruppe von rund 20 kooperierenden wissenschaftlichen Institutionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufzubauen. 

Was war Euer größter Erfolg der vergangenen Monate?

Es freut mich sehr, dass bislang die Gebert Rüf Stiftung, die Volkart Stiftung, die Fondation Aventinus, die Else Kröner-Fresenius-Stiftung, die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, die Avenira Stiftung und die ZEIT Stiftung Bucerius bereit sind, uns zu fördern. Damit ist ein Teil des notwendigen Startkapitals gesichert, aber es bleibt noch viel zu tun. 

Auch bei der Zusammenstellung der Gruppe der kooperierenden wissenschaftlichen Institutionen haben wir Fortschritte gemacht: In Deutschland haben z.B. die Unis Erlangen-Nürnberg, Hamburg, Rostock und Tübingen, die Technischen Universitäten in Dresden und München, die Bucerius Law School sowie Institute der Leibniz-Gemeinschaft und der Max-Planck-Gesellschaft Interesse. In Österreich sind die Uni Innsbruck, die Medizinische Uni Wien, die TU Wien, die Österreichische Akademie der Wissenschaften, die Central European University und die Uni Wien an Bord. Und in der Schweiz wirken neben der EPFL Lausanne und der ETH Zürich die Unis in Basel, Bern, Genf und Zürich mit. 

Was bereitet Dir Kopfschmerzen?

Auf internationaler Ebene sollten wir uns darauf einstellen, dass die Trump-Administration sich Grönland einverleiben und Iran und Kuba angreifen wird. In Deutschland müssen wir uns darauf vorbereiten, dass die AfD in absehbarer Zeit an Landesregierungen beteiligt sein wird oder sie sogar anführt. Angesichts dieser Entwicklungen ist es an der Zeit, unser Verständnis eines demokratischen, souveränen und solidarischen Europas neu zu definieren. Und zwar ausdrücklich nicht nur sicherheitspolitisch, sondern auch zivilgesellschaftlich, wirtschaftlich-technologisch und philosophisch-kulturell. 

Was ist Euer Beitrag zu einer pluralen Medienlandschaft?

TC wird das erste gemeinnützige Online-Magazin in Deutschland, Österreich und der Schweiz sein, bei dem Forschende aller wissenschaftlichen Disziplinen aus dem DACH-Raum und dem Rest der Welt ihre Expertise kostenfrei zur Verfügung stellen. 

Da unsere Beiträge unter einer Creative-Commons-Lizenz erscheinen, können andere Medien sie kostenfrei weiterveröffentlichen. Neben der BBC, dem Guardian, CNN, der Washington Post und El País nutzen jede Woche weltweit Hunderte von Zeitungen diese Gelegenheit. Ich hoffe, dass die Vielfalt an Sichtweisen auf TC auch die hiesige Presselandschaft bereichern wird.

Welches publizistische Projekt hat Dich zuletzt am meisten beeindruckt? 

Mit Unterstützung des Innovationsfonds für multimedialen Journalismus hat das Schweizer Online-Magazin Republik sieben Wissenschaftler:innen aus unterschiedlichen Fachrichtungen zu Lösungsansätzen für die Klimakrise befragt. Das Ergebnis ist eine Videoserie mit vielen wertvollen Denkanstößen – etwa dazu, wie Erkenntnisse aus der Atmosphärenphysik helfen können, das Great Barrier Reef vor der Nordküste Australiens zu schützen. Oder wie sich Konzerne und Regierungen, die den Klimaschutz vernachlässigen, erfolgreich juristisch zur Verantwortung ziehen lassen. 

Wer oder was hat unbedingt mehr Aufmerksamkeit verdient?

Wenn deutsche Medien Wissenschaftler:innen interviewen, dann meist etablierte Professor:innen. Es sind aber häufig junge Forschende, die gerade in Laboren, Archiven oder Recherchen vor Ort die spannendsten Entdeckungen machen. Als Angehörige der Generationen Y und Z bringen sie andere Perspektiven auf die Gesellschaft ein und entwickeln vielfach innovative Lösungsansätze. Sie nutzen Social Media oft sehr intuitiv und kennen die Bedürfnisse ihrer Altersgruppe. Das Wissen und die Expertise dieser jungen Wissenschaftler:innen verdienen meiner Meinung nach deutlich mehr Aufmerksamkeit. 

Was ist die beste Lektüre zur aktuellen Lage?

In ihrem neuen Buch, States of solidarity: How to build a society (Oxford University Press, 2026), argumentiert die Politikwissenschaftlerin Barbara Prainsack überzeugend, dass Solidarität einen zentralen Grundpfeiler einer demokratischen, gerechten und nachhaltigen Zukunft darstellt. Sie analysiert die Rolle solidarischen Handelns anhand von drei Fallstudien: der Klimakrise, der Zukunft der Arbeit und der digitalen Transformation durch KI. Dabei zeigt sie auf, wie Solidarität in allen drei Bereichen eine schöpferische Kraft entfalten und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern kann. 

Was sollte man jetzt anhören oder ansehen?

Während meiner Jahre in Großbritannien habe ich den täglichen „Today in Focus“-Podcast des Guardian liebgewonnen. Und natürlich empfehle ich den kürzlich als „Podcast Publisher of the Year 2025“ ausgezeichneten The Conversation Weekly!

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Fotocredit: Vincent Leifer 

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