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Haus für Journalismus und Öffentlichkeit

Fragen an die Residents: Reporter ohne Grenzen

In jeder Ausgabe unseres Newsletters stellen wir eine Organisation vor, die im Publix-Haus arbeitet. 
Diesmal: Prisca Martaguet aus der Öffentlichkeitsarbeit bei Reporter ohne Grenzen.

Worin besteht der Kern Eurer Arbeit? 
Wir sind die 1994 gegründete deutsche Sektion der in Paris ansässigen internationalen Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen. Als Teil eines globalen Netzwerks verteidigen wir die Freiheit, den Pluralismus und die Unabhängigkeit des Journalismus und insbesondere diejenigen, die sich tagtäglich dafür einsetzen: die Journalist*innen. Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai veröffentlichen wir die weltweite Rangliste der Pressefreiheit. Wir leisten außerdem Nothilfe für gefährdete Medienschaffende und schreiben jährlich Stipendienprogramme aus, über die Journalist*innen aus ganz verschiedenen Ländern zu uns nach Berlin kommen, sich fortbilden oder ihre Projekte voranbringen.
Wir sind zudem auf politischer Ebene aktiv: Wir setzen uns in Gesprächen mit Politiker*innen für die Pressefreiheit ein, adressieren Positionspapiere an die Bundesregierung, reichen Strafanzeigen bei deutschen Gerichten und auch beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) ein und engagieren uns gegen missbräuchliche Klagen, sogenannte SLAPPs. Wenn Journalist*innen den Verdacht haben, dass ihre mobilen Geräte überwacht werden, können sie sich an unser Digital Security Lab wenden.
Wir sind überparteilich und unabhängig. Wir sind deshalb stolz auf unsere vielen Mitglieder, Spender*innen und Förderer, die unsere unabhängige Arbeit sichern. 

Was ist das Ziel Eures Engagements? 
Wir wollen in Deutschland und weltweit die erste Anlaufstelle sein, wenn Journalist*innen oder die Pressefreiheit bedroht sind. Und wir wollen dazu beitragen, dass Medienschaffende frei, sicher und möglichst unabhängig von politischen, wirtschaftlichen, juristischen und gesellschaftlichen Einflüssen arbeiten können.

Worauf liegt im Moment Euer Fokus? 
Selbst wenn es Journalist*innen aus einer akuten Bedrohungslage ins vermeintlich sichere Exil geschafft haben, werden sie oft weiterhin und über Landesgrenzen hinweg bedroht. Wir beobachten, dass diese transnationale Repression weltweit zunimmt, auch in Deutschland. Politik und Sicherheitsbehörden hinken noch zu häufig hinterher. Um diesem Thema die Öffentlichkeit zu geben, die es verdient, veröffentlichen wir im Juni einen umfangreichen Bericht. 

Was bereitet Euch Kopfschmerzen? 
Wir sind nicht alarmistisch - aber leider zeigen unsere Daten, dass es mit der Pressefreiheit kontinuierlich bergab geht. Auch in Deutschland verschärft sich als Ausdruck einer gesellschaftlichen Polarisierung das Klima für Journalist*innen, ob bei Recherchen im rechten Milieu oder auf Demos und Protesten zum Nahostkonflikt. Wir schauen zudem mit größter Sorge auf die Situation für Medienschaffende in Kriegs- und Krisengebieten, vor allem nach Gaza. 

Was war Euer größter Erfolg der vergangenen Monate?
Wir sind immer wieder stolz, wie breit unsere Rangliste der Pressefreiheit in der Öffentlichkeit diskutiert wird und das weltweit  - auch durchaus kontrovers. Wirklich glücklich waren wir aber, als die Journalistin Elif Akgül im vergangenen Jahr aus dem Gefängnis in der Türkei entlassen wurde. Sie war zuvor Stipendiatin bei uns. Wir hatten dazu aufgerufen, Postkarten zu ihr ins Gefängnis zu schicken, um ihr zu zeigen: Wir vergessen dich nicht, sondern kämpfen für deine Freiheit. 

Was ist Euer Beitrag zu einer pluralen Mediengesellschaft
Der Einsatz für eine plurale Medienlandschaft ist ein absoluter Kern unserer Arbeit: Ohne Medienvielfalt brauchen wir an Pressefreiheit gar nicht erst zu denken. Wir haben uns als Reporter ohne Grenzen von Anfang an in die Konzeptfindung des Publix eingebracht, weil wir die Idee eines produktiven, kreativen Hauses für gemeinnützigen Journalismus essentiell für eine starke Demokratie finden.  

Wer oder was hat unbedingt mehr Aufmerksamkeit verdient?
Vor meiner Tätigkeit für RSF war ich jahrelang in der Geflüchteten- und Partizipationsarbeit tätig und stand im engen Austausch mit Vereinen und zivilgesellschaftlichen Organisationen, die bei Orientierung und Teilhabe helfen. Mich hat zunehmend empört, dass mit jedem Haushalt Gelder an ausgerechnet diese Strukturen drastisch gekürzt oder gestrichen wurden, obwohl Deutschland nach außen für mehr Zuwanderung geworben hat.

Was ist die beste Lektüre zur aktuellen Lage?
1984. Einfach zeitlos.

Was sollte man jetzt anhören oder ansehen? 
Ich lebe zwar schon länger in Deutschland, lese aber viele französische Medien. Ein interessantes Format ist Thinkerview, weil es lange, unzensierte und ungeschnittene Interviewformate anbietet, in die man richtig eintauchen kann. Als Gegenpol gefallen mir kurze Socialmedia-Inhalte wie die von Konbini, Streetpress, Blast oder auch Portailbasta, das ausgewählte Beiträge unabhängiger Medien publiziert. Auf seine provokativ-ironische Art mag ich auch den Account des französischen Auswärtigen Amtes, French Response.

 Photocredit: privat

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